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-› ISBN 978-3-89913-635-7

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Literatur - Kultur - Theorie

Band 1
Grizelj, Mario
"Ich habe Angst vor dem Erzählen"
Eine Systemtheorie experimenteller Prosa
2008. 508 S. - 170 x 240 mm. Festeinband

Die vorliegende Arbeit ist ein Beitrag zur Analyse und Interpretation von experimenteller Prosa (am Beispiel der Texte von Konrad Bayer, Jürgen Becker und Friederike Mayröcker). Ihre besondere Pointe besteht darin, dass sie experimentelle Prosa nicht nur beschreibt, sondern sich auch den eigenen methodischen und theoretischen Dispositionen zuwendet. Im Zuge der Beobachtung von experimenteller Prosa macht die Arbeit auf diese Weise explizit deutlich, dass sie sich, indem sie experimentelle Prosa beobachtet, gleichzeitig selbst beobachtet. Eine so konzipierte reflexive Literaturwissenschaft zeigt auf, dass ein solches Analysemodell selbstverständlich Literatur zwar immer auch interpretiert, dabei aber ebenso mitkommuniziert, dass und wie es interpretiert. Hierbei erweisen sich insbesondere Formen experimenteller Prosa und eine ("dekonstruktiv aufgerüstete") Systemtheorie als maßgebliche Reflexionsmedien. Die Arbeit ist multidirektional angelegt: Neben der Diskussion zentraler systemtheoretischer Theorieelemente liefert sie in expliziter Auseinandersetzung mit der literaturwissenschaftlichen Fachtradition Beiträge zur Text- und Werkforschung, zur Literaturtheorie, zum Selbstverständnis und der medientheoretischen Sensibilität von Literaturwissenschaft, zum Narrativitätstheorem im Allgemeinen und zu narratologischen Modellbildungen im Besonderen, zum Experiment-Begriff in der Literatur, zur experimentellen Prosa der 60er bis 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts sowie zur Bayer-, Becker- und Mayröckerforschung.
Grizeljs gut 500 Seiten umfassende Studie, die als Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München entstanden ist, ist ohne jede Einschränkung eine vorbildlich argumentierende, sehr interessante, hervorragend informierte Arbeit zum Zusammendenken von System- und Erzähltheorie mit einem hohen selbstreflexiven Anspruch. Sie bietet sowohl systemtheoretisch als auch erzähltheoretisch Interessierten zahlreiche Anregungen für weitergehendere Überlegungen, insbesondere - um einen Punkt herauszugreifen - zum Verhältnis von sozialer und symbolischer Referenz literarischer Kommunikation und dem damit angesprochenen (nicht zuletzt systemtheoretischen!) Problem der Unterscheidung von Text und Kommunikation. Man merkt der Arbeit Grizeljs Spaß, Freude, aber auch Anstrengung im Kampf um theoretische, begriffliche Präzision an. (Wissenschaftlicher Literaturanzeigen; Stand: Januar 2010)

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