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Band 11

Arnold, Raphael
William Jones
Ein Orientalist zwischen Kolonialismus und Aufklärung

2001. 150 Seiten – 170 x 240 mm. Kartoniert
ISBN 978-3-935556-66-8

 

19,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-935556-66-8  

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William Jones' (1746-1794) Oeuvre und Rezeption gleichen einem kubistischen Gemälde, das die Person nur verzerrt zu erkennen gibt. Schon seine Biographie zerfällt in zwei Abschnitte: einen ersten bis zur Überfahrt nach Kalkutta mit 37 Jahren und einen zweiten von diesem Zeitpunkt im Jahr 1783 an bis zu seinem Tod im Jahr 1794. Noch in England galt Jones' Engagement dem vorjakobinischen Radikalismus. Sein Renommee rührte dagegen vom publizistischen und literarischen Erfolg seiner Schriften her, der vor allem auf der Beschäftigung mit den Sprachen Arabisch und Persisch und ihren Literaturen beruhte.
Nach Indien ging Jones als Richter am Supreme Court of Judicature in Kalkutta, also als Mitarbeiter der East India Company (EIC). Er rief dort nicht nur die Asiatick Society ins Leben und übersetzte das Theaterstück Sacontalá; er war durch sein Richteramt fest in die Kolonialadministration eingebunden, verfasste juristische Werke, um der britischen Justiz ihre Arbeit zu erleichtern, und edierte in Form der Asiatick Researches eine Zeitschrift, deren Rolle im Wissenstransfer von Kalkutta nach Europa bedeutend war. Eine Persönlichkeit also, deren Leben und Werk sich für eine Analyse des Zusammenhangs zwischen Kultur und Kolonialismus anbietet.
Der Literaturwissenschaftler Edward W. Said hat William Jones in seiner seit 1979 heiß diskutierten Studie Orientalism als einen der Stifter europäischer und nordamerikanischer Geistesströmungen identifiziert, die er als feste Bestandteile von Imperialismus und Kolonialismus im späten 18., im 19. und im 20. Jahrhundert einstuft. Said versteht Vorstellungen von Orient allerdings zugleich als inhaltlich wertlos und kolonial nutzbar und weist ihnen dann einen instrumentellen Charakter zu. Dieses methodische Problem löst ein Ansatz, der die Kategorie Wissen nutzt. Denn Wissen über Orient entstand in einem Spannungsfeld von Kolonisation und Aufklärung: Es griff auf die kolonialisierten Kulturen als neuem Forschungsgegenstand zu, begriff sie aber in Kategorien des jeweiligen Verständnisses von Aufklärung. Zu fassen ist dieser Zusammenhang anhand von ideen-, wissenschafts- und rezeptionsgeschichtlichen Merkmalen, doch beschränkten sich Studien zu Orientalismus am Ende des 18. Jahrhunderts bislang auf Werke der nationalen Literaturkanons. Jones fand darin bislang ein zu geringes Echo - gerade in Deutschland.