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Band 3

Oberauer, Norbert
Verpflichtungskonzepte im Kalâm

1998. 205 Seiten – 170 x 240 mm. Kartoniert
ISBN 978-3-933563-01-9

 

28,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-933563-01-9  

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Die Lektüre islamkundlicher Werke aus dem Europa des letzten Jhdts. macht bewußt, wie rege an der Auseinandersetzung mit der religiösen Gedankenwelt des Islam stets auch Wunschvorstellungen und Projektionen beteiligt sind: Unter dem Einfluß eines "aufgeklärten" Denkens sah man die Theologen des islamischen Mittelalters bisweilen als "Freidenker" - nicht weniger gründliche Analysen kamen dagegen zu dem Befund eines starren, "intellektualistischen Scholastizismus". Der zeitliche Abstand zu solchen Beurteilungen erlaubt es heute, sie behutsam zurückzunehmen. Der Versuch, sie durch eine unvoreingenommenere Deutung zu ersetzen, bleibt indessen schwierig - mit ihm wächst auch das Gefühl, das, was aus den Quellentexten entgegentritt, nicht recht zu begreifen.
In jüngerer Zeit versucht die Islamwissenschaft, durch einen "ganzheitlicheren" Ansatz neue Sichtweisen auf die Geschichte theologischen Denkens im Islam zu erschließen. Anstatt es wie bisher als ein "zeitloses" Gebäude philosophischer Ideen zu betrachten, versucht man zunehmend, es als einen langfristigen Entwicklungsprozeß zu beleuchten, der sich im Kontext wandelbarer politischer, sozialer und "wissenschaftsgeschichtlicher" Gegebenheiten vollzog.
Das vorgestellte Werk knüpft an diesen Versuch an. Der Autor untersucht, wie ein zentraler Ausschnitt des theologischen Denkens - die Verpflichtung des Menschen durch Gott - innerhalb des "Kalam", eines Teilbereichs der Theologie, entworfen und bis ins 10. Jhdt. entwickelt wurde. Dabei enthüllt der Autor eine historische Debatte um die "Verpflichtung", in die nicht nur eine philosophische Kontroverse um Fragen des Menschen- und Gottesbildes (etwa der nach der Freiheit des Handelns und der Theodizee) einfließt. Die Verpflichtungsdebatte ist zugleich ein Diskurs, in dem zum einen verschiedene Gruppen um die Dominanz ihrer Wissenschaftskonzepte und methodologischen "Credos" ringen, und in dem sich zum anderen der Widerstreit verschiedener sozialer und politischer Ordnungsvorstellungen in den ersten Jahrhunderten des Islam materialisiert - Fragen wie die, auf welche Weise (und von wem) religiöses Wissen überhaupt gewonnen werden kann und darf, fließen hier ebenso ein wie Fragen nach politischen Führungs- und Loyalitätsansprüchen.
So wird deutlich, daß zur historischen Auseinandersetzung um die Verpflichtung auch die Dimensionen von Macht und Interessen gehören. Durch diese multidimensionale Betrachtungsweise gelingt eine Annäherung an ein kohärentes Bild vom Denken um die Verpflichtung in den ersten Jahrhunderten des Kalam.