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Band 1

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Amirpur, Katajun
Die Entpolitisierung des Islam
'Abdolkarīm Sorūšs Denken und Wirkung in der Islamischen Republik Iran

2003. 258 Seiten – 170 x 240 mm. Kartoniert
ISBN 978-3-89913-267-0

 

34,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-89913-267-0  

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"Koranschule von Demonstranten gestürmt" - "Großayatollah mit dem Tode bedroht" - "Religionsphilosoph von Schlägertrupps verprügelt" - so lauteten Schlagzeilen in der iranischen Presse. Sie stammen nicht etwa aus der Regierungszeit des 1979 durch die Islamische Revolution gestürzten Mohammad Reza Pahlavi (1919-1980), sondern sind nur wenige Jahre alt. Sie beschreiben, was in der Islamischen Republik geschah. Es war bekannt, daß die Schlägertrupps der Hezbollah gegen Rapmusik, Alkohol und freizügig gekleidete Frauen zu Felde ziehen. Aber daß sie nun auch theologische Hochschulen stürmen, ist neu. Fast alltäglich sind hingegen inzwischen die Attacken gegen Abdolkarim Sorush (geb. 1945) geworden. All diese Ereignisse stehen in Zusammenhang mit einer ungewöhnlichen Entwicklung: Zum ersten Mal seit der Revolution zeichnen sich in Iran Konturen einer breiten islamischen Oppositionsbewegung ab. Ehemalige Islamisten hinterfragen den Islamismus der Islamischen Republik. Die herausragenden Vertreter dieser Bewegung waren an der Islamischen Revolution beteiligt, sind aber mittlerweile die wichtigsten Kritiker des revolutionären Systems. Das Spektrum dieser Strömung ist breit. Auf die Öffnung des Systems drängen revolutionsmüde Linksislamisten, Anhänger des mystischen Islams, rebellische Theologen wie der Groß-Ayatollah Montazeri und Technokraten innerhalb des Regimes. Umso heftiger fällt die Reaktion des herrschenden Teils des religiösen Establishments aus. Ihr Unmut richtet sich vor allem gegen die Symbolfigur des liberalen Islam, gegen Sorush. In ihm meinten westliche Journalisten und Wissenschaftler einen "iranischen Luther" zu erkennen. Der Vergleich ist irreführend und riskant. Sorush hat nicht die geistesgeschichtliche Bedeutung von Martin Luther, außerdem gefährden ihn solche Vergleiche in Iran. Doch davon abgesehen ist Sorush sicher der bekannteste zeitgenössische iranische Denker, der versucht, ein politisches System zu begründen, das sowohl islamisch als auch demokratisch ist. Als Grundlage seiner Theorie zur Vereinbarung von Islam und Demokratie nutzt Sorush Ansätze anderer, vor allem westlicher Wissenschaften: Epistemologie und Hermeneutik dienen ihm als Grundlage einer Neuinterpretation des Glaubens, in der Islam und Demokratie keine unüberwindbaren Gegensätze sind. Aber trotz seiner neuen Argumentationsmethode bleibt Sorushs Diskurs islamisch, Sorush transportiert seine Argumente in ein religiöses Bezugssystem. Als dem wichtigsten Theoretiker der geforderten Reformen verdienen die Ideen Sorushs Aufmerksamkeit. Außerdem soll das Buch den Einfluß Sorushs auf die gegenwärtig sich bahnbrechende iranische Reformbewegung beleuchten. Denn seine Traditionskritik wird eingehend rezipiert, aus ihr erwachsen in der Islamischen Republik konkrete politische Forderungen und Ziele.