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Band 11

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Damir-Geilsdorf, Sabine
Herrschaft und Gesellschaft
Der islamische Wegbereiter Sayyid Quṭb und seine Rezeption

2003. 426 Seiten – 155 x 225 mm. Kartoniert
ISBN 978-3-89913-319-6

 

54,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-89913-319-6  

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Der Ägypter Sayyid Qutb (1906-1966) gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter für radikale islamistische Bewegungen weit über Ägypten hinausgehend. Seine zahlreichen Schriften, die in der islamischen Welt bis heute sehr hohe Auflagen erreichen und von Islamisten intensiv rezipiert werden, spiegeln auch seine ideologische Entwicklung wider. Er wurde von einem säkular, auch westlich orientierten Literaturkritiker zum Nationalisten, Sozialisten, Sozialreformer und schließlich Islamisten. Zu seiner Radikalisierung trugen ein zweijähriger USA-Aufenthalt und seine zwölfjährige Inhaftierung im nasseristischen Ägypten bei. Qutb war einer der ersten muslimischen Denker, der im zwanzigsten Jahrhundert eine islamische politische Ordnung als integralen Glaubensbestandteil forderte und ein Konzept dieser Ordnung entwarf.
Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil untersucht Qutbs Konzeption der gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Ordnung sowie seine Deutungsmuster, Argumentationslinien, historischen Vorbilder und Methoden der Rechtsfindung vor dem Hintergrund seiner ideologischen Entwicklung. Herausgearbeitet wird, wie in Qutbs Gesellschaftsmodell und Herrschaftskonzept biografische Brüche, aktuelle politische Forderungen seiner Zeit und Konzepte von Identität und Alterität einfließen. Dies erfolgt anhand einer textimmanenten Analyse, die erstmals Qutbs Gesamtwerk berücksichtigt und kontextualisiert. In diese Analyse integriert sind erinnerungstheoretische Forschungsansätze, denn Qutbs Herrschaftskonzeption und Gesellschaftsmodell speisen sich - wie diejenigen anderer Islamisten - wesentlich aus Geschichtskonstruktionen hinsichtlich der islamischen Frühzeit.
Der zweite Teil der Arbeit untersucht Qutbs Rezeption und die Weiterentwicklung seiner Gedanken bei Epigonen und Kritikern seit den 1960er Jahren. Das Untersuchungsmaterial basiert auf schriftlichem Textmaterial (Veröffentlichungen, Flugblätter, Gerichtsprotokolle, Zeitungsinterviews) sowie auf Interviews, die die Autorin selbst führte mit Islamisten wie Ma'mun al-Hudaibi und Yusuf al-Qaradawi, aber auch mit einem Vertreter der Azhar.
Darüber hinausgehend leistet die Arbeit einen Beitrag zum Verständnis der vielschichtigen, oft konträren Bedeutungsinhalte islamistischer Termini und Handlungsimperative. Islamisten leiten aus Koran und Hadith sowie aus der islamischen Historiographie, die sie mit anderen Quellen amalgamieren, "islamische Prinzipien" und normative Konzepte ab. Deren breites Interpretationsspektrum wird durch den Ansatz der vorliegenden Arbeit aufgedeckt, indem sowohl die untersuchten Denker und Bewegungen verglichen werden, als auch mehrere Exegeten und Historiographen von der Frühzeit des Islam bis in die Gegenwart einbezogen werden.